Neulich beim Friseur

Wer hätte gedacht, dass dieser Tag das Potenzial eines Artikels in sich trägt? Vor allem wenn man bedenkt, wie reizlos er begann:

Nicht gerade gut gelaunt (ja, die Meisten würden es sogar als mürrisch bezeichnen) registrierte ich bereits am frühen Morgen, dass ein weiterer unsagbar heißer Tag auf mich wartete. Meine geliebte Matratze, die mir in kalten Winternächten zuverlässig mollige Wärme spendete, transformierte sich zur Bratpfanne. Der Wetterbericht versprach, was ich längst witterte, Temperaturen weit über der 30° C-Marke.

Was fiel diesem sogenannten Sommer ein?

Erst blieb er praktisch aus, um dann auf dem letzten Drücker mit voller Wucht zu zuschlagen! Die kleinsten Handgriffe gestalteten sich zur Belastung. Selbst sitzende Tätigkeiten (Schreiben) riefen ganze Schweißbäche hervor.

Das grelle Klingeln des Erinnerungsalarms meines PCs riss mich aus meinen Gedanken: Friseurtermin um 12:00 Uhr!

Tolle Aussichten – Brütende Mittagshitze in einem Friseursalon ohne Klimaanlage!
Es war elf Uhr und zu spät für eine Absage. Erneut fragte ich mich, warum bisher niemand eine Software erfand, die das Wetter für ein komplettes Jahr voraussagen konnte.

Im Auto dann die nächste Überraschung: Die Klima streikte! Das wirkte sich unerfreulich auf meinen Gemütszustand und meine Gesichtsfarbe aus. Gequält suchte ich einen Parkplatz im Stadtgewühl, weil der Friseur nur eine witzige Parkfläche für seine Kundschaft zur Verfügung stellte, auf der ich noch nie einen Platz ergattern konnte. Ich ersparte mir einen Versuch.
Verwirrt über die Eroberung eines schattigen Parkplatzes nach nur einer Viertelstunde, begab ich mich auf den 20-minütigen Fußmarsch zum Laden (inwieweit das meine Laune negativ manipulierte, belasse ich der Fantasie des Lesers).

Endlich im Salon angekommen, lechzte ich nach einem Kaltgetränk.
„Möchten Sie etwas trinken?“, fragte mich der freundliche Mitarbeiter.
„Etwas Gekühltes, bitte.“
„Unser Kühlschrank hat bei den Temperaturen leider den Geist aufgegeben. Wir haben nur normales Wasser oder Kaffee.“

In einem Zug kippte ich mein Glas normales Wasser (normal hieß lauwarm) herunter. Erleichtert lehnte ich mich im Frisierstuhl zurück, bis rechts und links von mir zwei Föhne im Einklang flirrende Hitze zu mir herüberpusteten.

Meine Arme klebten unangenehm am Stuhlleder, als meine grandiose Friseurin erschien.
Erfrischt von der verabreichten Haarwäsche, fragte ich, wie sie es den ganzen Tag in der glühenden Föhnhölle aushielt – Sie ist Italienerin und ihre Stirn wies keinerlei Spuren von Schweiß auf.
Das Gespräch entwickelte sich typisch: „Sie haben doch letzten Monat geheiratet. Hat da das Wetter mitgespielt?“ Freudestrahlend schilderte Pia mir eine romantische Story voller Höhen und Tiefen.

Eine halbe Stunde später verließ ich das Geschäft mit nassen Haaren, einem Grinsen und der Idee für meine nächste Liebesgeschichte. Was für ein wundervoller Tag.